Pest und Seuchen: St. Sebastianusbruderschaft seit 1492 in Rust

„Wollen Seuchen zu uns schleichen, bitte, dass sie von uns weichen;
Scheuche ungesunde Luft, schließ´ des jähen Todes Gruft.

Hilf uns kämpfen, hilf uns siegen, hilf, wenn wir im Sterben liegen!
Heiliger Sebastian, nimm bei Gott dich unser an!“

Lied der St. Sebastianus-Bruderschaft in Rust

Im Jahr 1492 entdeckte Kolumbus die neue Welt „Amerika“ und die Weltbevölkerung war von der Pest genesen. Nur ein Fünftel der damaligen Menschen auf der Welt hatte diese furchtbare Epidemie überlebt. Und genau dieser Umstand war die Ursache der „ St. Sebastianusbruderschaft“ in Rust. Sie wurde von Pfarrer Johannes Korb im Jahre 1492 errichtet und hat sich bis heute erhalten.

Die Darstellung des heiligen Sebastian in der Ruster Pfarrkirche

Nach Zeiten des Verfalls ist sie durch den Willen des gläubigen Volkes immer wieder neu erstanden. So im Jahre 1706 unter Papst Clemens XI., im Jahre 1764 unter Papst Clemens XIII., der sie wieder bestätigte und mit neuen Ablässen versah. Zuletzt hat Papst Leo XIII. durch Erlass vom 16. Dezember 1879 die alte Bruderschaft erneuert und ihr reichliche Ablässe verliehen.

Die Intention der Bruderschaft: Sie will durch die Fürbitte des heiligen Sebastian von Gott die Abwendung leiblicher Übel, wie Pest, ansteckende Krankheiten, Krieg und Hungersnot und Hilfe in aller seelischen Not erlangen.

Das Titularfest der Bruderschaft ist am 20. Januar oder dem nächsten Sonntag mit einem feierlichem Votivamt für alle lebenden und verstorbenen Mitglieder, der traditionellen Sebastianusandacht mit Opfergang. An diesem Tag erfolgt auch alljährlich die Aufnahme neuer Mitglieder, meist die Erstkommunionkinder.

Gefeiert wird jährlich die Sebastianusandacht am Sonntagnachmittag. Viele ältere Ruster erinnern sich noch daran, dass der Sebastianussonntag mit dem Votivamt und mit der Andacht ein wichtiger Sonntag im kirchlichen Jahreslauf der Pfarrgemeinde Petri Ketten war.

Die besondere Verehrung des heiligen Sebastianus ist auch in der mehrfachen Darstellung des Heiligen in der Ruster Pfarrkirche zu finden. Auf der rechten Chorseite befindet sich ein Statue direkt an der Wand. Auf dem rechten Seitenaltar stellt das obere Altarbild die Hinrichtung des römischen Offiziers da. Zusätzlich gibt es noch eine weitere Statue, die nur am eigentlichen Feiertag zu sehen war.

Wer war dieser Sebastian? Seine Jugend verbrachte er in Mailand und wurde wegen seines guten Benehmens zum Offizier der Leibwache von Kaiser Diokletian ernannt. Sebastian bekannte sich als Hauptmann der Prätorianergarde öffentlich zum Christentum und half notleidenden Christen. Daraufhin verurteilte ihn Diokletian zum Tode und ließ ihn von numidischen Bogenschützen erschießen. Man dachte, er sei tot und ließ ihn danach liegen. Sebastian war nicht tot, sondern wurde von einer frommen Witwe, der heiligen Irene, die ihn eigentlich für das Begräbnis vorbereiten wollte, gesund gepflegt. Nach seiner Genesung bekannte er sich bei Diokletian erneut zum Christentum. Nun befahl der Kaiser ihn mit Keulen im Circus zu erschlagen. Sebastians Leichnam warf man in einen städtischen Abflussgraben, in der Nähe des Tiber. Dort wurde er von Christen geborgen. Er wurde in der Sebastian-Katakombe beerdigt. Über seinem Grab wurde schon im 4. Jahrhundert die Kirche „San Sebastiano fuori le mura“ errichtet.

Hier der komplette Text des Sebastianus-Liedes:

Schütze gegen alle Feinde, unsre gläubige Gemeinde;
Heiliger Sebastian nimm bei Gott dich unser an.

Hast für Jesus stark gefochten, dir den Siegeskranz geflochten;
Für den Glauben voll von Mut, gabst du dein unschuldig Blut.

Gegen falscher Götter Ehre, setzest du dich ernst zur Wehre;
Nur für Jesus glühtest du, führest nur ihm Seelen zu.

Bitte für uns arme Sünder, schütze uns und unsere Kinder!
Heiliger Sebastian, nimm bei Gott dich unser an!

Wollen Seuchen zu uns schleichen, bitte, das sie von uns weichen;
Scheuche ungesunde Luft, schließ` des jähen Todes Gruft!

Hilf uns kämpfen, hilf uns siegen, hilf, wenn wir im Sterben liegen!
Heiliger Sebastian, nimm bei Gott dich unser an!

Bernhard Rein / Quellen:  Dr. Karl-Heinz-Debacher | Wikipedia